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Seit dem 13. November läuft in Berlin das Filmfestival Afrikamera. Schwerpunkt des diesjährigen Programms sind Filme von Filmemacherinnen. Am gestrigen Abend konnte mensch gleich das Schaffen von sechs unterschiedlichen Regisseurinnen bewundern beim Kurzfilmabend „African Sisters on the Screen“. Die Beiträge kamen aus Kenia, Tunesien, der Demokratischen Republik Kongo, Algerien/ Frankreich, Kamerun/Frankreich und Senegal. Zusätzlich war die tunesische Filmemacherin Nadia Rais, die Filmwissenschaftlerin Beti Ellerson und eine der Macherinnen des kongolesischen Beitrags anwesend und stellten sich nach den Filmen den Fragen der Moderation und des Publikums.

Wobei letzteres eher mal wieder Fremdschäm-Momente hervorrief. Einer der lustigeren Teile dabei war, als ein Mann ausgiebig erklärte, dass er ja nun keine Ahnung von Afrika hätte, aber sich nun fragte ob es denn auch so ein Filmzentrum wie Hollywood oder Bollywood gäbe und das halbe Publikum – etwas genervt – murmelt oder rief „Nollywood“! Andere Fragen versuchten die Unterschiede zwischen Diaspora und „auf dem Kontinent lebende“ Filmemacherinnen aufzumachen und vor allem eindeutiger und größer zu machen, als was der Unterschied oftmals ist – Viel eher war es eine verschwurbelte Frage nach „Authenzität“. Klar. Musste ja kommen.

Aber zu den Filmen. Die Auswahl konnte wirklich überzeugen. Der längste Film war 22 Minuten lang, die kürzesten 5 Minuten. Es gab animierte Filme, einen Dokufilm, Spielfilme. Die Themen varrierten von Revolution über Dystopien bis hin zu kleinen Familiendramen. Gemeinsam hatten alle Filme, dass die Geschichten von Frauen im Mittelpunkt standen. Die beiden animierten Filme L’Ambouba (2009, 9 Minuten) und L’Mrayet (2012, 12 Minuten) von Nadia Rais müsste ich aber wahrscheinlich noch mehrfach konzentriert gucken, um weiter dahinter zu kommen. Einen Entschlüsslungstipp gab die Regisseurin selbst nach dem Screening als sie anmerkte, dass die weibliche Figur von der Form angelehnt sei an die Form Tunesiens. Einen kleinen Vorgeschmack kann mensch mit dem folgenden Trailer zu L’Mrayet bekommen:

Im Filmbeitrag La femme invisible (2008, 8 Minuten) von Pascale Obolo läuft die Protagonistin durch Paris und siniert darüber, wie abwesend vom Stadtbild insbesondere von Filmpostern Schwarze Frauen sind und wie selten die Geschichten von Women of Colour erzählt werden. Sie fragt sich, welche Rolle sie als Filmemacherin spielen kann. Die Seite African Women in Cinema Video, wo Obole ihre Inpiration erklärt und dem auch die Schauspielerin Dalanda Gomis spricht. Das Video ist auf Französisch, aber es gibt auch ein englisches Transcript. Gomis sagt zu dem Film und ihre Erfahrungen als Schwarze Schauspielerin (Übersetzung von mir):

Selbst während Castings wird uns direkt gesagt, wir würden „nicht auf die Rolle passen“. Es tut weh, aber wir leben damit. Glücklicherweise kenn ich Pascale [Obolo] schon sehr lang und sobald sie ein Projekt hat, bin ich ein Teil davon, besonders in diesem, welches mich so direkt betrifft.

Ein ganz anderes Setting bietet der Dokumentarfilm Mon beau sourire (2005, 5 Minuten) von Angèle Diabang Brener. Sie zeigt in klaren einfachen Bildern die Tradition der Zahnfleisch-Tätowierungen.  Der Film die locker entspannt mit den Gesichtern lächelnder Frauen beginnt, zeigt dann in Nahaufnahmen und mit treibender Musik wie einer jungen Frau das Zahnfleisch tätowiert wird. Die meisten Zuschauer_innen verkrochen sich immer mehr in ihren Kinosesseln. Die Filmemacherin hatte als Ziel für den Film genannt, eine Tradition aufzuzeigen ohne zu urteilen. Dafür verzichtet sie auf sämtliche gesprochene Kommentare, sondern lässt allein die Bilder sprechen. Sie lässt den Beitrag wiederum mit lächelnden Frauen enden.

Ein Highlight war mit Sicherheit der Beitrag der Kenianerin Wanuri Kahiu. Ihr Film Pumzi (2010, 22 Minuten) erzählt die Geschichte einer jungen Frau in einer distopischen Stadt, welche aufrgund von Umweltkatastrophen unterirdisch angelegt ist und sich vollständig selbst erhalten muss. Die Prämissen für diesen Film sind sicher nicht neu, aber wie die Protagonisten anfängt zu handeln als sie eine Bodenprobe erhält, die Hoffnung gibt, ist wundervoll umgesetzt. Kahiu sagte selbst in einem Interview, dass sie auch inspiriert war von der Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai.

Ein weiterer Höhepunkt war der Film Tout le monde a des raisons d‘en vouloir à sa mère (2009, 10 Minuten). Pauline Mulombe zeigt in diesem 48 Stunden im Leben dreier Schwestern und deren Mutter. Sie zeigt die Konflikte, die aufbrechen bei unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich Lebensführung. Die Mutter, interessanter Weise gespielt von einer ebenfalls bekannten afrikanischen Filmemacherin Monique Mbeka Phoba, versucht nach einer chaotischen Nacht ihre Töchter gemeinsam an den Essenstisch zu bekommen. Natürlich kommt es zum Streit. Zu letzt wird die Mutter nur noch von einer ihrer Töchter getröstet, die freundlich auf sie einredet. Doch als die Mutter zu ihr sagt „Nur mit dir ist immer alles ok. Du wirst eines Tages heiraten.“ (und dabei ist natürlich eine Hochzeit mit einem Mann gemeint) guckt ihre Tochter wenig glücklich. Was die Mutter nicht weiß, aber die Zuschauer_innen mittlerweile mindestens erahnen: Sie ist mit einer Frau zusammen.

In Yasemine et la révolution (2011, 8 Minuten) hat Karin Albou die Euphorie zu Beginn des arabischen Frühlings in wundervollen Bilder zusammengefasst. Im Mittelpunkt steht Yasemine, die sich so schnell nichts sagen lässt und in einem wütenden Dialog auch ihren Freund davon überzeugt, auf die Straße zu gehen. Das Tollste? Den Film könnt ihr hier vollständig sehen:

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