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Gestern jährte sich zum 17. Mal die Hinrichtung der so genannten Ogoni Nine: Neun nigerianische Aktivsten, die im Movement for the Survival of the Ogoni People (kurz MOSOP) engagiert waren. MOSOP hatte Autonomie für das Ogonigebiet ersucht, sich aber auch vor allem gegen die Abwertung des Landes durch Shells Ölförderungen eingesetzt. Vor allem letzteres rückte mit der Zeit in den Fokus und der Konflikt schwelte an. Im Jahr 1992 stellte MOSOP  ein Ultimatum an Shell und die Nigerian National Petroleum Company. Die Regierung verbat daraufhin öffentliche Versammlung, wodrauf MOSOP mit einem riesigen Event (dem ersten Ogoni Day) reagierte, wo wohl um die 300000 Menschen zusammen kamen!

Nach dem ein Shell-Mitarbeiter von einigen wütenden Menschen zusammengeschlagen worden war, zog Shell sämtliche Mitarbeiter_innen aus dem Gebiet ab. Shell tat dies mit Sicherheit nicht sonderlich weh, denn der Ölgewinn aus dem Ogoniland war schon längst immer weniger geworden. Der nigerianischen Regierung gab dies aber einen Grund stärker gegen die Aufständigen vorzugehen.

Am 21. Mai 1994 wurden vier Männer ermordet, die bei einem Streit innerhalb des MOSOP eher zum konservativeren Spektrum gehörten. Sehr schnell wurde klar gemacht, dass diese Morde durch andere Aktivisten durchgeführt sein mussten. Neun wurden verhaftet. Darunter auch Ken Saro-Wiwa, der berühmte Schriftsteller, der bereits von Anbeginn im MOSOP aktiv war, dem allerdings Zutritt zum Ogoniland verboten worden war. Ihm wurde nichtsdestotrotz Anstiftung vorgehalten. Der Prozess war zu keinem Zeitpunkt fair. Später gaben einige Zeugen zu, dass sie bestochen worden waren. Zwei Zeugen, die speziell gegen Saro-Wiwa ausgesagt hatten, gaben an, dass ihnen Jobs bei Shell versprochen worden waren.

Alle Angeklagten wurden, trotz weltweiter Proteste gegen das Verfahren, schuldig gesprochen. Die Strafe lautete für alle neun Tod durch Erhängen. Am 10. November wurden Saturday Dobee, Nordu Eawo, Daniel Gbooko, Paul Levera, Felix Nuate, Baribor Bera, Barinem Kiobel, John Kpuine und Ken Saro-Wiwa getötet.

Doch damit war und ist der Konflikt nicht beendet. Die Familie von Ken Saro-Wiwa verklagte Shell (u.a. wegen der Ogoni Nine). Nach vielen Jahren kam es aber zu keinem Gerichtsurteil sondern nur einer außergerichtlichen Einigung, wobei von Shells Seite einiges an Geld gezahlt wurde. Für die Wiwa-Familie ein Zeichen der Schuld von Shell.

Shell ist nach wie vor aktiv in Nigeria. Und wie vor 17 Jahren sind diejenigen, die aus der Förderung Gewinn schlagen nicht die gleichen Personen, die die Risiken der Ölförderung ertragen müssen. Beispielsweise fordern gerade die Betroffenen des „Bonga spills“ von 2011 Kompensationen durch Shell. (Es gibt auch eine Petition.)

Auch die (Pop)Kultur hält das Thema lebendig. Der letzte Roman, Oil on Water, des bekannten Schriftsteller Helon Habila widmete sich der Öl-Problematik. In diesem Jahr ist er in deutscher Übersetzung erschienen. In der Rezension im Guardian wird auch auf den Einfluss Saro-Wiwas hingewiesen. Und die Sängerin Nneka singt:

I am, the voice of Isaac Boro,
I speak Ken Saro Wiwa
I am, the spirit of Jaja of Opobo,
fight for right, for our freedom

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2 Kommentare zu “17 Jahre, Shell und die Ogoni Nine

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