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Heute kommt der fünfte und letzte Teil der kleinen Einführungsreihe zu Regionalwissenschaftlichen Debatten (Hintergründe hier). In diesem letzten Teil fasse ich einen Text von Stephen Howe zusammen und zeige seine Definitionen von Imperium und verwandten Begriffen.

Stephen Howe beschäftigt sich in seinem Text mit einer Vielzahl von Begriffen, die im heutigen Sprachgebrauch, auch durch den Gebrauch Literatur und Film (z.B. Star Wars) eher negativ belegt sind: „empire“, „imperialism“, „colonialism“ and „colonization“, sowie am Rande auch mit „globalization“, „postcolonial“ und „neocolonialism“. Anstatt zu erklären, was sich hinter diesen Wörtern genau verbirgt, erläutert er deren Verwendung und legt dar, dass es sich nur um seine Definitionen handelt und dass es eine Vielzahl von anderen gäbe.

Zu Begin seines Textes setzt er sich mit der Herkunft der einzelnen Worte auseinander. Der Begriff „Empire“ bedeutet ursprünglich Souveränität und wurde erstmals im Zusammenhang mit dem Römischen Reich verwendet. Unter Heinrich VIII. wurde der Begriff dann zur absoluten Herrschaft ausgedehnt, so wurde er auch für das „British Empire“ benutzt. Das Wort „Imperialismus“ hat auch eine Bedeutungsverschiebung erlebt. Zuerst gebrauchten es die Engländer in Bezug auf Napoleon III., die damit eine bestimmte Außenpolitik und Einstellung verbanden. Unter Lenin setzte man das Wort dem Kapitalismus gleich und heute verwenden es Kritiker um die Globalisierung zu benennen. Zuletzt wendet Howe sich dem „Kolonialismus“ zu. Dieses Wort, welches später entfernte Gebiete westlicher Systeme beschrieb, kommt von „colony“, welches als Begriff für Siedlungsland von Bauern diente.

Howe stellt dann eine Besonderheit heraus, die ein „Empire“ charakterisiert. Es ist die Diversität. Doch alle all diese verschiedenen Kulturen, die sich z.B: durch Religion, die Nationalität, oder die Ethnie unterscheiden, stehen nicht in einem System der Ebenbürtigkeit zusammen, sondern es drückt sich immer die Überlegenheit einer Kultur über die anderen aus. Die aus dieser Situation heraus entstehende Unterdrückung, ob nun formal oder informal, hätte nie Dauer gehabt, wenn es nicht auch lokale Kollaborateure gegeben hätte. Doch neben diesem Faktor ist die Gewaltausübung nicht zu vergessen und zu gering einzustufen.

Des Weiteren beschäftigt sich Howe mit der Frage, ob diese Begriffe immer an die Vorherrschaft des Westens und Rassismus gebunden sein muss. Er stellt deutlich heraus, dass westliche Imperien (basierend auf nichtwestlichen Gebieten) nur eine Variation von vielen sei.

Danach definiert Howe die schon benannten Begriffe noch einmal direkt unter Einbeziehung von historischen und aktuellen Gedanken. Ein „Empire“ ist demnach eine große multiethnische politische Einheit, die durch Eroberung geschaffen wurde und wo ein Zentrum den Rest dominiert. „Imperialism“ hingegen beschreibt die Art und Weise der Handlungen, die solch ein „Empire“ aufrecht erhalten. „Colonialism“ meint die politische Unterdrückung und impliziert absolute Souveränität, die eine (nationalfremde) Gruppe  über eine andere  ausübt. Der letzte zu nennende Begriff „Colonization“ bezieht sich auf eine Migration im großen Umfang, wobei die Migranten starke Verbindungen zu ihrem Herkunftsland aufrechterhalten.

Am Ende des Textes geht Howe noch auf die Benutzung der verschiedenen Begriffe im Zusammenhang mit neueren Entwicklungen ein. Als ein Beispiel zählt er auf, dass militante Islamisten die Anschläge des 11.Septembers 2001 als einen Schlag gegen den Imperialismus sahen.

Literatur

Howe, Stephen. 2002. Who’s an Imperialist?. In: Empire: A Very Short Inroduction. Oxford: Oxford University Press. 9-34.

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