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Rassistische Sprache und Bilder sind in unserem Alltag weit verbreitet. Der Begriff „Mohr“ (im Folgenden M.) beispielsweise findet sich allein in Berlin im Namen einer U-Bahnstation, der dazugehörigen Straße, einer Apotheke und einer Kneipe in Kreuzberg.

In dem Buch Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutscher Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk (herausgegeben von Nadja Ofuatey-Alazard und Susan Arndt) schreiben Susan Arndt und Ulrike Hamann zu dem Begriff folgendes:

›M.‹ ist die älteste deutsche Bezeichnung, mit der Weiße Schwarze Menschen als anders konstruiert haben. Der Begriff wurde aus anderen europäischen Kontexten übersetzt, und geht etymologisch sowohl zurück auf das griechische moros, das ›töricht‹, ›einfältig‹, ›dumm‹ und auch ›gottlos‹ bedeutet. [1]

In Österreich verkauft die M.enbrauerei unter diesem rassistischen Begriff sowohl Bier als auch andere Produkte, wie Limonade.

Gegen das rassistische Logo gibt es von Seiten verschiedener antirassistischer Organisationen schon seit längerer Zeit die Forderung, das Logo samt Namen zu ändern – allerdings ohne Erfolg. Auf der Internetseite des Österreichischen Werberat hieß es im September 2011, dass

die Mehrheit der Werberäte keinen Grund zum Einschreiten [sehe], da keine Verletzung des SBK, insbesondere Artikel 1.2.2 „Ethik& Moral“ („Werbung darf niemanden mittelbar oder unmittelbar diskriminieren oder Diskriminierung fördern, insbesondere aus Gründen des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft,…..“) vorliegt.

Nun haben der Journalist Simon Inou und der Künstler Ara Niang einen Gegenvorschlag zu dem rassistischen Logo von M.enbräu vorgebracht, indem sowohl der Name als auch das Bild verändert wurde. Statt der rassistischen Abbildung eines Schwarzen Menschen im Profil mit „enorm wulstige[n] Lippen, krause[m] Haar, affenartige[n] Gesichtszüge[n], markante[r] Nase“ (Simon Inou) zeigt das Logo einen Baobab und trägt den Name „No Mohr“. Der Vorschlag unterstreicht zum einen die Forderung, „nie mehr“ rassistische Produktnamen zuzulassen und wandelt zum anderen das negative, rassistische Bild in ein positives um: „Der Baobab oder Affenbrotbaum gilt in vielen afrikanischen Gesellschaften als Symbol für Schutz und als Ort für Gespräche“ (Simon Inou). Allerdings kommt auch der Gegenvorschlag nicht ohne den Begriff „M.“ aus. Und auch der Baobab-Baum ist mit bestimmten Klischeevorstellungen und einem romantisierten Bild von Afrika verbunden.

Welche Abwehrreflexe aber schon dieser Vorschlag hervorruft, kann mensch leider sehr deutlich auf der Facebook-Seite der Aktion sehen.


[1] Susan Arndt und Ulrike Hamann: „Mohr_in“, Nadja Ofuatey-Alazard und Susan Arndt (Hg.). Wie Rassismus aus Wörtern spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutscher Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, 649-653.

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