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Vom 17.-26. Juni dieses Jahres befand ich mich in Kenia, um über reproduktive Rechte zu recherchieren und zu berichten. Diese Woche hat es mich dann noch nach London verschlagen, wo das London Summit on Family Planning stattfand. Die vollständigen Texte, die ich bisher geschrieben habe (ich hoffe, dass noch ein paar nach einigen weiteren Recherchen folgen) sind bei der Mädchenmannschaft erschienen.  Erstmal fragte ich mich aber, was ich genau da machte.

Die wunderbare Amie Newman hat auf dem Blog „Impatient Optimists“ der Bill&Melinda Gates Foundation in ihrem Beitrag „Contraception, Life in Kenya’s Kibera Slum“ sehr schön beschrieben, was Ziel unserer Reise durch Kenia war und warum gerade das Thema „Zugang zu Verhütungsmittel“ so wichtig ist. Lynn Schreiber erzählt in ihrem „Tale of Two Women“ exemplarisch an zwei Lebensgeschichten, welche Unterschied Familienplanungsmöglichkeiten machen können.

Das hier der Fokus erstmal sehr stark auf Verhütungsmittel liegt, ist kein Zufall. Familienplanung wurde auf der IRP-Recherche-Reise, aber noch viel mehr auf dem Summit in erster Linie als Zugang zu eben diesen verstanden. Einer der Gründe ist mit Sicherheit, dass beides großteils finaniziert wurde von der Bill&Melinda gates Foundation und diese so ihren Schwerpunkt setzt. Melinda Gates, die sich selbst als praktizierende Katholikin bezeichnet, hat bereits für dieses Engagement sehr viel Kritik eingesteckt, aber wir sollten trotzdem nicht das größere Bild außer Acht lassen. So schrieb ich anlässlich des Summits:

Somit blieben Ab­treibungen z.B. ein fast un­g­enanntes, aber über alles schwebendes, Thema. Denn wenn wir immer wieder rhetorisch die Selbst­bestimmung der Frau über ihren Körper und ihre Gebär­­fähig­keit heranziehen, ist es schwer Abtreibungen aus­zu­klammern. […] [Es] wird so getan, als ob es nur genügend Ver­hütungs­­mittel geben muss und dann auch kein Bedarf mehr an Ab­treibungen bestehen würde. Doch ist dies mit­­nichten der Fall. Wie so schön eine der Frauen, die ich in einer Klinik in Kenia traf, fest­­stellte: „Manchmal wirken Ver­hütungs­­mittel aber nicht.“ Einen Bedarf für Abtreibungen wird es aus den verschiedensten Gründen immer geben. Und die Frage ist dabei nie, ob Abtreibungen stattfinden, sondern allenfalls ob sichere oder un­sichere Ver­fahren angewendet werden.

Die tolle feministische Salon.com-Schreiberin Irin Carmon berichtete dann auch über die Veränderungen im Recht zu Abtreibungen anlässlich der neuen kenianischen Verfassung von 2010: Africa’s abortion-rights breakthrough. Ich habe dazu und zum Zusammenhang zwischen us-amerikanischer Politik und dem Zugang zu sicheren Abtreibungen auf deutsch gebloggt: „Die Angst vor Mitt Romney„.

In einem anderen Beitrag habe ich mich damit beschäfftigt, was die tatsächlichen „Kosten von umsonst“ sind. Im letzten Absatz schrieb ich:

Auch Verhütungsmittel sind nicht kostenfrei, auch wenn es diese offiziell umsonst geben soll. Alle Ärzt­_innen und andere Mit­arbeiter­_innen in Kliniken erzählten, dass sie Gebühren für die Mittel nehmen, um die Kliniken an sich am Laufen zu halten. Eines der Probleme ist nämlich, dass selbst bei staat­lichen Kliniken die Regierung nur die Honorare der Mit­arbeiter­_innen übernimmt und einen Teil der Medi­kamente, nicht aber die weiteren Kosten, die für den Betrieb notwendig sind. So kommt es dann, dass Frauen, die im Kranken­haus entbinden, selbst für die Gummi­hand­schuhe, die verwendet werden, bezahlen müssen.

Und das ist nicht alles: Frauen, die die Kosten für die Geburt in einem Krankenhaus nicht bezahlen können, werden dort oftmals festgehalten (mit natürlich ansteigenden Kosten). Irin Carmon traf zwei Frauen, die planen das Pumwani Krankenhaus deswegen zu verklagen. In „Imprisoned for Giving Birth“ beschreibt Irin eindrucksvoll, was diese und viele anderen Frauen durchmachen müssen und zeigt damit, dass die Thematik „Reproduktive Rechte“ viele, viele Facetten hat.

Diese Woche trafen sich dann in London Präsident_innen, Gesundheitsminister_innen, NGOs, Weltbank und andere, um gemeinsam über Familienplanung zu sprechen. Dabei wurde viel versprochen. Und auch wieder vieles verschwiegen. Meinen ganzen Bericht könnt ihr hier lesen: Was bleibt nach dem Schlussapplaus?

Weiter Lesen: Hier finden sich alle Artikel, die von Teilnehmer_innen des IRP-Trips geschrieben wurden. Und Lynn sammelt in ihrem Blog Artikel, die rund um das Summit entstanden.

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Ein Kommentar zu “Reproduktive Rechte zwischen Kenia und Großbritannien

  1. Hi Charlott, ich folge deinem Blog seit einiger zeit. Dieser Artikel macht mich wirklich traurig. Ich wohne schon beinah für ein Jahr in Nairobi habe leider keine Gelegenheit gehabt, nach Kibera zu fahren. Kannst du mich informieren, mit welchem Chanel du Kibera besucht hast? Vielleicht kann ich mal die Leute ansprechen. lg, Y.N. Shen

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