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Hier geht es nochmal um Sarah Kuttner. Aber nicht nur. Es geht auch um ihre Unterstützer_innen. Und um andere Menschen. Menschen, die von rassistischen Strukturen profitieren (I do, too), dies aber ignorieren (können). Auf Medienelite erschien vor zwei Wochen ein großartiger Beitrag mit dem Titel „Derailing für Rassist_innen und white privilege denying du_dettes„. Dem möchte ich nur noch einen Punkt hinzufügen:

Sich von anderen weißen das Unrassistischsein bestätigen lassen und nicht merken, dass das Teil des Problems ist.

Beispiele aus dem „Fall Kuttner“:

  1. Spiegel Online erklärt, dass Kuttner keine Rassistin ist. Aus Gründen.
  2. Der Sänger Frank Spilker wird auch für die Argumentation herangezogen. Migazin (Triggerwarnung für die Kommentare) fragt: „Weshalb fragt Spiegel Online einen Menschen, der nicht von Rassismus betroffen ist? Wieso steht es ihm zu, das zu bewerten?“
  3. (Edit) Und klar, Diskriminierungsexperte Matthias Mattusek darf sich auch ausgiebig bei der BZ äußern. Er „kritisiert die Kritiker“.
  4. Die vielen, vielen Fürsprecher_innen auf Kuttners FB-Seite.

Ja. Ich habe mich durch die Kommentare gelesen. Damit andere das nicht tun müssen. „Sarah be cool! Du kannst es nicht allen recht machen und wirst immer von irgendwem beobachtet und kritisiert!“ heißt es da. Oder: „bleib einfach wie du bist… dafür lieben wir dich ja 😉 und für ne Rassistin halten dich deine fans eh nicht!“. Jemand anderes postuliert: „die diskussion langweilt mich, jeder der auch nur einen funken verstand besitzt, weiss dass rassismus eine einstellung ist, und nicht das erwähnen irgendeines wortes.“ Und was hatte Sarah Kuttner geschrieben? Na klar, „Ich bin kein Rassist [sic]. Ich war es nie und werde es nie sein.“ Hach, Wahrheiten schaffen durch Postulation. Wenn die Welt doch so einfach wäre.

Die Stimmen also, die im öffentlichen Diskurs entscheiden, was rassistisch ist und was nicht, sind die Stimmen weißer. Gegenseitig klopfen sie sich auf die Schultern und sprechen sich Mut zu. Sie definieren Rassismus. Sie richten. Sie lachen. Sie profitieren. Und sie kapieren einfach nichts. Sie verstehen nämlich nicht, dass diskriminierende Strukturen in erster Linie für die Diskriminierten spürbar sind, dass, das sie sich so laut artikulieren können und gehört werden, auch ein Privileg ist, dass ihr gegenseitiges Aufbauen rassistische Strukturen legitimiert.

Manchmal sollte mensch auch einfach mal die Klappe halten. Mal nachdenken. Auch mehr als 10 Sekunden. Vielleicht was lesen.

Einige Dinge sind auch gar nicht so schwer zu verstehen: Rassistische Sprache ist Rassismus. weiße, die weißen erklären, dass sie nicht rassistisch sind, handeln (mit größter Wahrscheinlichkeit) rassistisch.

Davon abgesehen befinden sich natürlich bei den Kommentaren auf der FB-Seite auch weitere hochgradig rassistische (viele verwenden so rassistische Sprache). Dass diese nicht entfernt werden, sagt ja auch sehr viel.

Edit (30.05.):

Auf dem allgemein sehr empfehlenswerten Blog stop! talking. gibt es noch einen Artikel, den alle, die sich mit antirassistischen Praxen auseinandersetzen (wollen), unbedingt lesen sollten. Unglaublich viele wichtige Gedanken in kompakter Form. Zusammenfassung: Auch weiße, die sich antirassistisch artikulieren, sind nicht gefeit vorm white privilege (und falls Fragen kommen, das schließt natürlich auch mich mit ein). Aber lest selbst: Reflection – It’s a Thing!

Und ein Hörtipp: Sandrine Micossé-Aikins, Aktivistin im Netzwerk Bühnenwatch, und Tahir Della, Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland sprachen mit dem Radio Corax über das N-Wort: Nochmal: Warum die Werbung mit dem N-Wort für ein Theaterstück rassistisch genannt werden kann.

 

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5 Kommentare zu “Wenn weiße, weißen erklären, dass sie nicht rassistisch sind. Eure Absolution, mein Rant.

  1. Pingback: dT ~ dieTilde {°°}

  2. Danke, danke, danke! Endlich mal eine Person, die mir aus der Seele spricht –> Genau das ist das Problem: Einige (leider viele) weiße Menschen denken sie haben das Recht über die Köpfe Schwarzer hinweg gewisse Formulierungen zu benutzen. Sie trösten sich gegenseitig und finden es nicht schlimm. Natürlich nicht: Ihnen tut es ja nicht weh!

  3. Pingback: Unkritisches Weißsein « sanczny

  4. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Skalpell-Tatort, Rassismusdebatten und abnormale Heterosexualität – die Blogschau

  5. Pingback: Your Childhoof Memories Don’t Trump Mine. « stop! talking.

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