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Rassismus ist, entgegen der häufigen Annahmen, kein Problem des ganz rechten Randes unserer Gesellschaft (was auch immer das eh sein soll), sondern findet sich in den Kommentaren des Lieblingsonkels, im abfälligen Blick der Dozentin und im Witz des Passanten. Rassismus findet sich aber auch in noch „abwegigeren“ Situationen/Räumen: Bei linken Student_innen, weißen Feminist_innen und anderen, die sich für sensibilisiert halten.

Allein in dieser Woche, wollte ich zweimal meinen Kopf gegen die Wand hauen und wüste Beschimpfungen grummeln/ ausrufen. Noah Sow, die u.a. das sehr zu empfehlende Buch „Deutschland Schwarz Weiss: Der alltägliche Rassismus“ geschrieben hat, berichtet auf ihrem Blog von einem Paradebeispiel. Sie war vom AStA der Universität Fulda eingeladen worden auf deren „Festival contre le Racisme“ (Ja!!) aus ihrem Buch zu lesen. Doch zu dieser Lesung kam es dann nicht, denn Noah Sow reiste (mit besten Gründen) direkt wieder ab: Nicht nur wusste eine der Veranstalter_innen nicht einmal, was PoC (People of Colour) sind und forderte eine Erklärung ein sondern verstand sie auch nicht, warum eine Lampe im Kolonialstil (Bild bei Sow) auch rassistische Gewalt ist.

Die Mädchenmannschaft dokumentiert die Geschehnisse: „Noah Sow erlebt Festival du Racisme„. Nadine Lantzsch hat einen wirklichen guten Brief an den AStA verfasst und auf ihrem Blog Medienelite unter dem Titel „to whites it should concern“ veröffentlicht. Eine weitere Replik findet sich, treffenderweise mit „Go Fuck Yourself.“ betitelt, bei „Stop! Talking.“.

Nun zu meinem zweiten „Moment“ diese Woche: Es geht um ein Bild, welches auf der Facebook-Seite von Feminist Frequency gepostet wurde. Es zeigt ein Bild im Stil der folgenden Kampagne:

Bilder der Gruppe "Students Teaching About Racism in Society" der Ohio University

Doch das Bild unterschied sich eindeutig: Auf ihm war die Schauspielerin Emma Watson als Hermine Granger (Harry Potter) zu sehen mit einem Foto in der Hand, welches ein „Sexy Hermine“-Kostüm präsentierte. Das Bild wurde zugleich von vielen, vielen User_innen ge-liked. Was ist daran falsch? Es zeigt doch den Sexismus vieler Halloween-Kostüme bestens auf, oder?

Zum einen finde ich es hochproblematisch, dass durch dieses analoge Nutzens des Posteraufbaus die ursprünglichen Personen gleichgesetzt werden mit einer fiktiven Person (also tatsächlich eigentlich einem Kostüm). Weiße Feminismen haben sich in der Vergangenheit ja leider nicht durch ein durchgehend anti-rassistisches Vorgehen hervor getan. Wenn dann also eine Kampagne, die von PoC gestaltet ist und auf Rassismus hinweisen soll (und ja auch durchaus auf sexistische Stereotype, die mit diesem verknüpft sind eingeht! Geisha!), nachgestaltet wird, in dem eine weiße Frau als Opfer gleichbedeutend in die Reihe der anderen Bilder gestellt wird, dann wird ignoriert, dass auch weiße Frauen von einem rassistischem System profitieren (ob sie wollen oder nicht) und in diesem System als Täterinnen agieren. Die Kampagne wird sabotiert, der Fokus umgelegt. Das ist nicht nur schade, sondern auch direkt sch….

P.S.: Mittlerweile finden sich im Internet auch noch allerlei Veralberungen der Orginalkampagne mit Hunden, Robotern, Vampiren etc. Diese argumentieren natürlich mit der „Die verstehen kein Spaß“-Stimme und sind geradeheraus in ihrer Intention rassistisch.

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2 Kommentare zu “Kopf gegen Wand

  1. Pingback: Happy Halloween – and what is not OK #Rassismus | ☠ ring2

  2. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Identitäten, Erklärbär_innen und antiqueere Tendenzen – die Blogschau

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