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Im ersten Teil beschrieb ich vor ein paar Tagen die Entstehung der Négritude in Paris. Der zweite Teil dreht sich nun um die literarische Strömung, welche unter den Namen subsummiert wird und in erster Linie weiterhin um Senghor. Hauptfrage: Welche Themen spiegeln sich in der Literatur wieder und wie sieht das genau aus?

Viele der literarischen Werke, die der Négritude zugezählt werden, sind Gedichte. Grob lassen sich drei thematische Felder unterscheiden, auf die ich hier auch kurz eingehen werde: „Gefühl der Entfremdung“, „Revolte und Zeugnis der Ungerechtigkeit“ und „Wiederentdeckung eigener Werte“.

Gefühl der Entfremdung

Viele der Autor_innen befanden sich mindestens einen Teil ihrer Zeit im Exil, wo sie nochmals (und viele karibische Autor_innen erstmals so bewusst) eine Negation ihrer Menschlichkeit erlebten. Auf der anderen Seite nahmen sie aber auch die Bildung des Kolonialstaates auf und entfremdeten sich  ihrer Heimatländer. Dieser Zwiespalt, Ergebnis einer kolonialen Situation, wurde auch in viele Werke eingeschrieben.

Revolte und Zeugnis der Ungerechtigkeit

I shout no
No to class
No to the taint of soot
No to the humid floor
No to the glass furnance
No to the damped lights
No to love paid for in banknotes

Léopold Sédar Sénghor(Hosties Noires/1948)

Dieser Themenkomplex findet sich bei vielen karibischen Autor_innen stärker/ radikaler, als dies bei Senghor der Fall ist (Die Gründe beschrieb ich bereits knapp im ersten Teil.).  Hier findet der Umgang mit der Unterdrückungssituation, die mentalen Konflikte vieler Intellektueller und die Entzauberung der westlichen Welt einen kämpferischen Unterton. Das hier gezeigte Gedicht stammt aus dem Werk „Hosties Noires“, welches als das vielleicht beste und auch kämpferischste von Senghor gilt. Präsenter noch ist diese Art des Schreibens aber bei seinem Mitstreiter Césaire.

Wiederentdeckung eigener Werte

Naked woman, black woman
Clothed with the colour which is life, with
your form which is beauty,
In your shadow I have grown up; the gentleness of
your hands was laid over my eyes
And now, high upon the sun-baked pass, at the heart
of summer, at the heart of noon, I come upon you,
my Promised Land,
And your beauty strikes me to the heart like the
flash of an eagle. […]

Léopold SédarSenghor(Selected Poems/ 1964)

„Black woman“ ist vielleicht eines der bekanntesten Gedichte Senghors und spiegelt viele der Facetten wieder, die diesen letzten Themenkorpus ausmachen. Mit diesem entwerfen die Autor_innen neue Bilder von Afrika. Sie versuchen „ursprünglichen Werten“  nachzugehen und diese lobzupreisen. Dabei kommt es oftmals zu einer imaginierten afrikanischen Vergangenheit, welche stark romantisiert wird.

Auffällig an Senghors Gedicht ist auch die Darstellung Afrikas als Mutterfigur. Diese Trope wird immer wieder afrikanischen Literaturen wiederholt. Etwas mehr zu der Trope und ihrer Implikationen findet ihr in diesem Text von mir über Frauenfiguren im Theaterstück „The Other War“: Klick.

Literatur

Irele, Abiola. 1993. „Négritude -LiteratureandIdeology“, in: Janice S. Spleth(Hg.): Critical Perspectives on Léopold Sédar Senghor. 1st. Colorado Springs, CO: ThreeContinentsPress, S. 7–29.

Vorangegangener Teil:

Négritude – Teil 1: Die Anfänge

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Ein Kommentar zu “Négritude – Teil 2: Die Literatur

  1. Pingback: Négritude – Teil 3: Die Ideologie « Afrika Wissen Schaft

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