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So diesen Thema liegt nun seit Anfang Januar in meiner Schublade. Da hatte nämlich Sociological Images unter dem Titel „Fascinating Database about the Trans-Atlantic Slavetrade“ über die Datenbank „Voyages: The Trans-Atlantic Slave Trade Database“ berichtet. Hier nun also eine kurze Vorstellung der Datenbank und ein paar Gedanken zu den Massen an quantitativen Daten. (Nach nem Klick gibts auch schicke Karten.)

Das Thema hat mich aus zwei Gründen sofort gefesselt: 1. Der Transatlantische Sklavenhandel (TASH) hat mich mein Studium lang sehr interessiert. 2. Mein allererstes (Probe-)Essay an der Uni beschäftigte sich mit dem Vorläufer dieser Datenbank und der Frage „„The Sheer Force Of Numbers?“ Nutzen und Probleme des quantitativen Ansatzes zur Erforschung des transatlantischen Sklavenhandels“.

Sklavenhandel 1500-1900

 

Zunächst meine Beschreibung der alten Database: Die Database erschien im Jahr 1999. Die Herausgeber sind David Eltis, Stephen D. Behrendt, David Richardson und Herbert S. Klein. Ihnen gelang es 27.233 Schiffsfahrten des transatlantischen Sklavenhandels zusammenzutragen und nach 226 verschiedenen Informationen aufzuschlüsseln. Diese einzigartige Sammlung macht es unter anderem möglich, einzelne Schiffe und deren Routen zu verfolgen, den Einfluss der verschiedenen europäischen Länder zu vergleichen und festzustellen, aus welchen afrikanischen Regionen Sklaven in welche Regionen der Amerikas gebracht wurden.[1]

Nun wurde diese Database noch erweitert und die Informationen sind auf einer wirklich gut gemachten Webseite zugänglich. (Die ganze Geschichte der Database lässt sich auch hier nachlesen). Auf der Seite findet man einführende Essays zum TASH, Unterrichtsmaterial und einige Karten (u.a. die zwei in diesem Beitrag gezeigten). Und am wichtigsten: Die Möglichkeit sich durch die unendlichen Daten zu wühlen. Wie viele das sind, lässt sich bereits an der Zusammenfassung der Daten erkennen:

The Sheer Forces of Numbers...

 

Über den Sachverhalt, warum es wichtig ist die Ausmaße des Sklavenhandels diese Datenbank zu haben, schrieb Bernhard Bailyn in seiner Rezension zur Du Bois Institute Database (der Vorgänger-Version):

It matters that the overall magnitude of the African Diaspora is now quite definitely known: that, as David Eltis explains, it is a fact that eleven million Africans were forcibly carried abroad, more than nine million of them to the Americas. It matters – it stretches the imagination to visualize – that at the height of the British slave trade, in the 1790s, one large vessel left England for Africa every other day. It matters that slave rebellions occurred on approximately 10 percent of all slave ships, that 10 percent of the slaves on such voyages were killed in the insurrections (which totals 100.000 deaths, 1500-1867) […].[2]

Bailyn schrieb weiterhin, dass die Daten auch dazu nützen können, bisherige falsche Annahmen als solche zu identifizieren und einen Rahmen zu setzen für den gesammten Prozess. [3]

In meinem Essay hatte ich mich damals gefragt, ob aber diese Zahlenreihen nicht die Gefahr bergen, die konkreten Menschenschicksale und Erlebnisse dahinter zu vergessen. Gerade beim transatlantischen Sklavenhandel und dem Ansatz, den die Database verwendet, verfällt man in diese Gefahr. Die Database gründet sich auf Zahlen, die die Europäer geführt haben. Diese haben die afrikanischen Sklaven als eine reine Ware gesehen und dementsprechend dokumentiert. Diese Problematik ist eine Ironie: Wenn man nur die Zahlen betrachtet, findet man eine Sichtweise der europäischen Sklavenhändler und nicht einmal eine neutrale, wie sie Zahlenreihen vermuten lassen. Diesen Gedanken finde ich auch heute noch sehr wichtig.

Häfen, die involviert waren im TASH

 

Auch würde ich heute noch genauso salomonisch enden: Die Zahlen und damit die Database sind eine großartige Grundlage, aber sie sollten nicht das Ende der Forschung sein. Aus ihnen sollten neue Fragen entwickelt werden, welche mit verschiedensten Methoden berarbeitet werden (können). (Nicht mehr würde ich heute schreiben, dass man nur mit qualitativen Methoden gar nicht forschen kann. Hups…)

Literatur zum Thema:

Bailyn, Bernard. 2001. „Considering the Slave Trade: History and Memory“, The William and Mary Quarterly, 58,1. 245-252.

Eltis, Davis und David Richardson. 1997. „The ‚Numbers Game’ and Routes to Slavery“, in dies. (Hg.), Routes to Slavery: Direction, Ethnicity and Mortality in the Atlantic Slave Trade. London und Portland, OR: Fank Cass. 1-15.

Iliffe, John. 1995. Africans, the History of a Continent. Cambridge: Cambridge UP. 131.

Smallwood, Stephanie E. 2001. Rezension von David Eltis’ The Rise of African Slavery in the Americas (Cambridge: Cambridge UP, 2000) und David Eltis, Stephan D. Behrendt, David Richardson und Herbert S. Klein, The Trans-Atlantic Slave Trade: A Database on CD-ROM (Cambridge: Cambridge UP, 1999), The William and Mary Quarterly, 58, 1. 253-60.


[1] Smallwood 2001, pp. 256-60.
[2] Bailyn 2001, p. 245
[3] Bailyn 2001, p. 245-252
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4 Kommentare zu “Datenbank zum Transatlantischen Sklavenhandel

  1. Als jemand, der keinerlei Überblick über die quantitativen Ausmaße der Sklaverei-Forschung hat, würde es mich interessieren, ob es eine solche Datenbank auch für den Sklavenhandel aus Afrika heraus gibt, der vor 1500 stattgefunden hat, insbesondere interessiert mich dabei der „Handel“ mit geographisch näherliegenden Reagionen, insbesondere dem arabischen/islamischen Raum.

  2. Ich muss zugeben, dass ich mich in erster Linie mit dem Transatlantischen Sklavenhandel beschäftigt habe (obwohl mich der der Trans-Sahara-Handel auch nteressiert). Meines Erachtens (und das ist jetzt wirklich eine unqualifizierte Aussage) gibt es so eine Datenbank wirklich nur für den Transatlantischen Handel.

    • älterer artikel, ich poste trotzdem mal, weil ich gerade erst darauf gestoßen bin:

      es gibt zum sklavenhandel durch die sahara und über die afrikanische ostküste in den arabischen und asiatischen raum generell weniger forschrung und aufarbeitung. das liegt einerseits an der quellenlage, die spärlicher ist, andererseits auch an einer überhaupt nicht stattfindenden debatte in der arabischen welt darüber. dabei übersteigt rein numerisch dieser raub die zahl der über den atlantik verschleppten menschen ungefähr über das doppelte und fand vor und nach dem TASH statt. es ist einer der großen blinden flecken, besonders auch in afrika selber und gerade dort, wo mit den sklavenhändlern auch der islam kam. es wird totgeschwiegen, die gründe dafür sind vielschichtig und ein aktuellerer beitrag, der ganz gut die gründe dafür anführt, fand sich zuletzt in der iz3w:
      https://www.iz3w.org/zeitschrift/ausgaben/321_gender_gesundheit
      Sklaverei: Wettstreit der Erinnerungen – Ein neues Buch facht die Debatte über den arabischen Sklavenhandel an
      von Simon Brüggemann

      leider nicht online verfügbar.

  3. Pingback: Seite nicht gefunden « Afrika Wissen Schaft

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