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Welche Bilder bekommen wir in hier (= in Mainstream-Deutschland) von Afrika präsentiert? Zum einen natürlich die wunderbaren Bilder, die in das Urlaubsparadies einladen: Tiere, Sonnenuntergänge (oder -aufgänge), strahlende Farben und Menschen in „traditioneller“ (möglichst viel hautzeigender) Kleidung. Das andere Bild ist Armut: Zerissene Shirts, große traurige Augen, fahle Farben. Duncan McNicholl hat sich Gedanken dazu gemacht und ein Fotoprojekt gestartet.

(c) Duncan McNicholl

Duncan McNicholl arbeitet für Engineers Without Borders Canada in Malawi. Auch ihm ist aufgefallen, welche Bilder immer wieder gezeigt werden, um Afrika zu repräsentieren und illustrieren, und welche Bilder eben nicht. Er hat sich entschlossen ein Fotoprojekt zu beginnen. Er verneint natürlich nicht, dass es Armut in Afrika gibt, aber er empfand die typischen Repräsentationen als einseitig und dass diese Bilder, den Abgebildeten auch zum Teil ihre Würde nehmen. Zu der Konzeption der Aufnahmen sagt er:

I am taking two photos of the same person; one photo with the typical symbols of poverty (dejected look, ripped clothes, etc.), and another of this person looking their very finest, to show how an image can be carefully constructed to present the same person in very different ways.  I want to bring to light some of the different assumptions we make about a person, especially when we see an image of “poverty” from rural Africa.

Bisher gibt es zwei Posts, in denen er Bilder zeigt: hier und hier. Besonders interessant finde ich, dass er den Akteur_Innen die freie Wahl der Inszenierung lässt. Sie suchen die Kleidung aus, entscheiden sich für Mimiken und für ihre Körperhaltung. Außerdem zeigt er nicht nur die Bilder, sondern stellt die Personen vor und erzählt von der Entstehung der Fotos.

Eine interessante Diskussion zu den Bilder findet man auf der Seite von Sociological Images.

Ich fänd ja sehr spannend zu wissen, ob die Akteur_Innen bei den Bildern, in denen sie „typische“ Armutsdarstellungen mimen, sich an an Motiven orientieren, die sie in ihrem Umfeld so „in echt“ sehen, oder an den Abbildungen, die westliche NGOs etc. verbreiten. Oder eine Mischung?

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4 Kommentare zu “Bilder von Afrika

  1. Interessant würde ich es ja auch finden, wenn man einmal die ganz Kamerasituation umdrehen würde, und die NGOs von den Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten, gefilmt, interviewt,fotografiert, etc. werden.

    Über die Problematik unserer Afrika-Bilder hat sich übrigens Adam Curtis auch schonmal Gedanken gemacht (im Rahmen von Charlie Brookers „Newswipe“):

  2. Hi,

    deine Idee ist auch eine interessante. Ich denke, es gibt noch eine ganze Reihe von (künstlerischen) Ansätzen, die fruchtbar genutzt werden könnten für eine Dekonstruktion typischer Bilder oder für das Aufzeigen der Mechanismen, die hinter bestimmten Bildern stecken.

    Der von dir eingebundene Beitrag zeigt natürlich nochmal pointiert, wie und warum bestimmte Bilder aus „Krisenregionen“ in den Nachrichten genutzt werden. Natürlich ist das auch überspitzt dargestellt und nicht bis ins letzte detailiert (was keine wirkliche Kritik an dem Beitrag ist, das ist einfach der Beitragsform geschuldet). Zu dem Thema (Aufbereitung von Nachrichtensendungen) an sich ganz finde ich „Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht“ von Walter von Rossum ganz interessant und kurzweilig zu lesen. Das ist natürlich kein wissenschaftliches Werk, aber gibt anhand von Beispielen einen ganz guten ersten Einblick in die Entstehung öffentlich-rechtlicher Nachrichtensendungen.

    • @ „überspitzt“

      jupp, da würd‘ ich Dir zustimmen. Curtis hat das seinen eigenen Stil, den er auch in seinen anderen Projekten so umsetzt. (die größtenteils auch auf Google Video zu finden sind)

      Was ich ihm aber zu Gute halte, ist, dass durch seine Art Videoschnipsel/Pop-Musik/etc. einzusetzen, eigentlich von Anfang klar ist, das es sich nicht um eine objektive Dokumentation handelt sondern um einen Kommentar eines subjektiven Autors.
      Damit umgeht er, meiner Meinung nach, die Verlogenheit die einige Doku-Formate haben, die sich nach Außen hin perfekt objektiv geben, aber hinter den Kulissen auch subjektiv ihr Material auswählen/bewerten.

      Eine tiefgehende/differenzierte Analyse kann aber ein Curtischer Videoessay natürlich nicht ersetzen.

      Danke für den Buchtipp! In letzter Zeit hatte ich häufig Bücher aus dem englischen Raum, wird interessant sein sich mal mit einem deutschen Thema zu beschäftigen.

      • Ich gebe dir vollkommen Recht 🙂 Darum schrieb ich ja auch, dass dies keine Kritik an dem Beitrag an sich ist. Er hat die Beitragsform, die er gewählt hat, super genutzt!
        Ich bin mir trotzdem noch nicht ganz sicher, ob ich den Beitrag super toll finde 😀 Wenn sich mein Bauchgefühl auch dazu entschließt Signale an mein Gehirn zu senden, gehe ich darauf nochmal genauer ein. 🙂

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