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Heute gibt es wieder ein Essay von mir. Auch dieses ist noch aus meinem Bachelor in Regionalstudien Asien/ Afrika. Ich habe es im Sommersemester 2007 im Rahmen des Seminars „Mediensysteme in Südostasien“ verfasst. In meinem Essay habe ich mir die Praxis des „envelope journalism“ in Indonesien und den Philippinen angeschaut und habe die Hintergründe beleuchtet.

Edit (Nov. 2010): Hier nun auch die Hausarbeit als Download: „envelope journalism“

Journalisten nehmen an einer Pressekonferenz teil, die von politischen Akteuren oder auch Firmen veranstaltet wird. Wenn sie die Presseerklärung ausgehändigt bekommen, ist dem Papier noch ein Umschlag beigefügt. Der Inhalt des Umschlages: Geld. Es wird angegeben, dass dieses Geld ein Zeichen der Achtung von der veranstaltenden Person an den Journalisten ist oder aber ein Beitrag zu den Reisekosten. Solche Situation beschreibt Angela Romano[1], Dozentin der Queensland University of Technology, für Indonesien. Die philippinische Journalistin Marites Danguilan Vitug schildert eine ganz ähnliche Erfahrung aus ihrem Land. [2]

Diese Praxis wird weitestgehend als „envelope journalism“. Der Begriff leitet sich durch die ursprüngliche Methode des Überreichens von Umschlägen her. Da sich die Vorgehensweise mittlerweile zum Teil geändert hat, wird auch der Begriff „ATM journalism“,  verwendet, erzählt Sheila Coronel, Direktorin des Centre Investigative Journalism in Manila.[3] Der Einfachheit halber verwende ich nur den Begriff „envelope journalism“, da es mir nicht um die Art der Durchführung geht, sondern um den dahinter stehenden Prozess.

Neben China, Südkorea und Mexiko sind Indonesien und die Philippinen zwei Staaten, in denen die Kultur des „envelope journalism“ gut dokumentiert ist.[4] In beiden Ländern ist die Praxis weit verbreitet. Ich möchte das gegenüberstellen und zu gleich die Hintergründe aufzeigen. Romano geht davon aus, dass „envelope journalism“ vor allem in solchen Ländern eine Chance hat, in denen Journalisten wenig verdienen und es ein allgemeines Klima der Korruption herrscht.[5] Mit welchen Bedingungen haben es also Journalisten in Indonesien und den Philippinen zu tun? Wie sind die Medienlandschaften geprägt? Wie werden Journalisten ausgebildet und was verdienen sie? Abschließend werde ich betrachten, welche Folgen „envelope journalism“ für die Medien hat.

Ausprägungen von „envelope journalism“Mehr als nur Bestechung

Oftmals wird „envelope journalism“ einfach mit Bestechung gleichgesetzt. Diese Entsprechung erfasst aber nicht das gesamte Spektrum, welches für ein tiefer greifendes Verständnis unabdingbar ist. Deswegen soll hier eine Differenzierung des Begriffes dargestellt werden. Romano erkennt vier verschiedene Ausprägungen des Phänomens, welche alle nebeneinander existieren.[6] Die erste Möglichkeit ist, dass die Quelle mit dem Geld tatsächlich Kameradschaft mit dem Journalisten symbolisieren möchte und so Respekt zeigt. In diesem Fall ist die Quelle eher ein Patron, der um die schlechte wirtschaftliche Lage der Journalisten weiß und eine enge Verbindung zu dem Journalisten aufgebaut hat. Hier ist eher diese Verbindung, die in Romanos Buch von einem Journalisten als familiengleich und wie eine enge Freundschaft beschrieben wird, bei einer objektiven Berichterstattung hinderlich als der Vorgang des Geldtransfers an sich. Romano merkt auch an, dass diese Art des „envelope journalism“ selten ist.

Die zweite und vielleicht häufigste Ausprägung ist durch Gewohnheit zu erklären. Quellen geben auf Pressekonferenzen Umschläge aus, da sie da von ausgehen, dass die Journalisten sie verlangen werden. Diese Quellen interessiert es nicht, ob sie damit den Lebensstandard der Reporter erhöhen. Auf der anderen Seite ist für sie der Vorgang aber auch keine vorsätzliche Bestechung. Das Geld wird eher als „facilitation money“[7] gesehen, welches die Menschen gewohnt sind zum Beispiel an Beamte zu bezahlen um Prozesse zu beschleunigen, wobei die Art des Ausgangs erstmal keine Bedeutung hat. Romano erklärt, dass die Quellen mit dem Geld einen Anreiz für Journalisten schaffen wollen zu einem Medienevent zu kommen. Wie sie dann über das Ereignis berichten, hat nicht in erster Linie etwas mit dem Umschlag zu tun.

Die dritte Dimension ist jene, auf die der Begriff oft herunter gebrochen wird: Quellen nutzen das bestehende System aus um Schweigegelder zu bezahlen. Dies geschieht meistens nur bei Extremfällen. Bekannt ist solches Verhalten in Indonesien bei Anwälten, aber auch von größeren Firmen, die keine Energie darauf verwenden langfristige Beziehungen mit den Medien aufzubauen.

Neben diesen drei Formen gibt es auch die so genannten bodrek[8], die mit Wucher und Erpressung versuchen aus dem Geld von den Quellen zu erhalten. Sie benutzen oft falsche Identitäten oder geben sich als Journalisten von ländlichen Zeitungen aus. Aber auch echte Journalisten benutzen das System um ihre Quellen zu erpressen.

Anhand dieser Differenzierung kann man auch erkennen, dass „envelope journalism“ einfach nur mit Bestechung gleichzusetzen die Vielschichtigkeit der möglichen Beziehungen zwischen Quelle und Journalist eingrenzen würde, denn jeder kann in diesem System Opfer oder Täter sein. Romano stellte fest: „The ‚envelope culture’ creates ethical quandaries for journalists and sources, with the potential for either party to exploit or be exploited by the other.“[9]

Wie viele Journalisten nehmen Umschläge an?

Wie sieht aber nun direkt die Lage in Indonesien und den Philippinen aus? In einer Studie aus dem Jahr 2000 von der Alliance of Independent Journalists wurden 276 Journalisten aus Ost-Java befragt. Von diesen gaben 70,8 Prozent zu Umschläge anzunehmen. Diese Zahl sei aber einer Verbesserung zu dem Betrag aus der Soeharto-Ära die in einer Studie des Kelompok Belajar Menulis dan Meneliti mit 82,7 Prozent angegeben wird.[10] Die Zahlen für die Philippinen sehen etwas anders aus. In einer Befragung, die das Centre for Investigative Journalism in Manila durchgeführt hat, gaben 71 Prozent der befragten Journalisten an Bestechungen angeboten bekommen zu haben, aber nur 33 Prozent teilten mit, dass sie diese angenommen hätten.[11] Bei dem Vergleich dieser Zahlen muss man aber auch bedenken, dass bei der Umfrage in Indonesien nach „envelopes“ gefragt wurde, bei der Umfrage in den Philippinen augenscheinlich direkt nach Bestechung. Dies lässt offen, ob nicht auch in den Philippinen Journalisten mehr angenommen haben, das aber nicht als Bestechung definiert haben. Die vier Ausprägungen des „envelope journalism“ können jedenfalls die Umfragen nicht abdecken.

Bambang Harymurti, Herausgeber des indonesischen Magazins Tempo, stellt fest, dass durch die Pressefreiheit und die somit blühende Medienlandschaft in Indonesien es schwerer geworden ist durch „envelopes“ Einfluss auszuüben. Es sind immer mehr Journalisten und somit ist das gesamte Unterfangen auch kostspieliger und ineffektiver. Trotzdem gibt es immer noch eine Menge Reporter, die „envelopes“ angeboten bekommen und annehmen, da es viel Korruption in allen Teilen der Gesellschaft gibt.[12] „Despite government and media efforts to fight corruption, many Indonesian journalists continue to take “brown envelope” bribes from public officials“[13], stellt auch das International Journalists’ Network fest. In einem Artikel auf ihrer Internetseite beschreibt das Netzwerk weiter, dass indonesische Ministerien berichtet hätten, dass sie weiter Bargeld an Journalisten ausgeben, obwohl es eine gegenläufige Kampagne gab.[14]

Geschichte des „envelope journalism“ in Indonesien

In Indonesien hat „envelope journalism“ eine fast fünfzigjährige Geschichte, obwohl die Meinungen auseinander gehen darüber, wann diese Praktik begann.[15] In den 1950ern kann man das Verhältnis zwischen Quellen und Journalisten als generelles Patronat beschreiben. Die unsichere Wirtschaftslage machte Zeitungen davon abhängig, dass geldbesitzende Sympathisanten ihnen in half schlechte Zeiten zu überbrücken. Dieses Verhältnis wurde weder von dem Patron, noch von den Journalisten oder Lesern unangemessen oder korrupt verstanden. Und auch Geldgeschenke von Politikern sahen die Beteiligten nicht als externen Einfluss, da die meisten Zeitungen einer Partei oder Fraktion nah standen. In den 1960ern begannen einige Minister und Geschäftsleute den Journalisten so genannte „transport money“ zu bezahlen oder ihnen Reiszuteilungen zu geben. Hier wird der „envelope“ als Unterstützung für die Lebensbedingung der Journalisten verstanden. Wirklich zu boomen begann der „envelope journalism“ aber erst in der Zeit der „New Order“. In dieser Periode, in der wirtschaftliches Wachstum als elementar betrachtet wurde, gaben ganz verschiedene Akteure Umschläge aus, angefangen von Entwicklungsorganisationen, die die limitierte finanzielle Situation der Journalisten kannten, bis hin zu Regierungsprogrammen, die zum Teil Journalisten auf ihrer offiziellen Lohnliste hatten. Diese Geschenke wurden zu einer Norm und die Journalisten begannen, dass erhaltene Geld als etwas natürliches anzusehen. Ebenso sahen die Quellen es als Bearbeitungsgebühr, die aber unterschiedlich groß ausfällt, je nachdem aus welchem Ressort der Reporter stammt[16]. Was dieses Verhalten genau bedeutet, beschrieb Angela Romano gegenüber Radio Australia:

But in all although it is not a direct system in which a source would say here you are, here is the money, now I want a good story. It did sometimes create some pressures for journalists in that it was part of the overall patriarchal culture where the patriarch, the older brother, the father figure would give money as a gesture of goodwill to the younger sibling or to the child or whatever and it was just that sort of set of power relationships that made it quite difficult for journalists in a way. It was not actually the transfer of money but the actual relationship that was being set up. There was an unequal relationship there.

Im Artikel des International Journalists’ Network beschreiben Journalisten, dass es außerdem nicht einfach ist, Umschläge abzulehnen. “These people will think we’re arrogant if we refused taking it”.[17]

„envelope journalism“ als Standardpraxis auf den Philippinen

Marites Danguilan Vitug stellt für die Philippinen fest, dass „envelope journalism“ als eine Art Standartpraxis angesehen wird.[18] Coronel sieht des Weiteren, dass es eine große Toleranz für Korruption in der Presse gibt.[19] Vitug beschreibt auch genau, wie die Praxis in den Philippinen stattfindet, wobei sie nur auf die Dimension der Bestechung eingeht: „And bribery comes in many forms, from expensive gifts (way beyond what our salaries can afford) to freebies such as overseas junkets.“[20] In der Entwicklung merkt Vitug an, dass die Summen größer geworden sind und auch die Wege des Geldtransfers haben sich weiterentwickelt. So benutzt auch Vitug den Begriff „ATM journalism“. [21] In beiden Ländern ist genau das zu sehen, was Romano als Grund für „envelope journalism“ aufführte: Korruption, die nicht nur die Presse umfasst, sondern auch in anderen Teilen der Gesellschaft verankert ist und zum Teil auf Akzeptanz oder Gewohnheit stößt.

In welchem Kontext wirken die Journalisten?

Um die Praxis des „envelope journalism“ besser einordnen zu können, muss man auch sehen in welchen politischen und gesellschaftlichen Kontext die Journalisten arbeiten. Welche Gesetze stützen die Arbeit? Wie ist das Ansehen des Berufsstandes? Mit welchen Hindernissen haben Journalisten in ihrer alltäglichen Arbeit zu kämpfen?

Die Verfassung der Philippinen ist stark an die US-amerikanische angelehnt und so findet sich in ihr auch die Pressefreiheit verankert. Im Artikel 3 heißt es: „no law shall be passed abridging the freedom of speech, of expression or of the press, or the right of the people peaceably to assemble and petition the government for redress of grievances.“[22] Außerdem wird festgeschrieben, dass so lange kein anderes Gesetz es ausschließt, Zugriff auf amtliche Akten, Dokumente und so weiter ermöglicht werden soll bei Themen von öffentlichem Interesse.[23] Trotz dieses gesicherten und liberalen Rahmens ist es vielen Journalisten in den Philippinen nicht möglich ihren Beruf ohne Ängste auszuführen. Gerade in den Provinzen ist die Gewalt gegen Journalisten sehr hoch erklärt Coronel.[24] Zwischen 1986, dem Jahr in dem der Diktator Marcos vertrieben wurde, und 2005 wurden mehr als 60 Journalisten getötet.  Damit sind die Philippinen das zweitgefährlichste Land für Journalisten weltweit.[25] Allein in 2001 wurden drei Radioangestellte umgebracht.[26] In einem Artikel von Liam Fitzpatrick mit dem Titel „Write or Wrong“ erklärt Coronel, dass einige Leute das Gefühl haben, dass sie sich für kritisches oder als unfair empfundenes Berichten nur rächen können, wenn sie den verantwortlichen Journalisten umbringen lassen.[27] Fitzpatrick schreibt: „Encouraging these attitudes is the fact that many reporters who are murdered are not blameless heroes.“[28] Sie werden also nicht als Journalisten gesehen, die für ihre Pflicht ermordet wurden. Dazu kommt, dass oftmals zwar Verdächtigte später identifiziert wurden, aber in kaum einem Fall seit 1986 kam es zu einer Verurteilung.[29] Als Zeichen, für wie tückisch der Beruf gehalten wird, beschreibt Fitzpatrick eine Broschüre mit dem Titel „Staying Alive“, die regelmäßig erscheint und Journalisten  aufzeigen soll, wie sie überleben. Herausgegeben wird das Heft von einer gemeinnützigen Organisation namens „Freedom Fund for Filipino Journalists“.[30] Es wird aber auch anderweitig versucht wirklich gegen die Gewalt vorzugehen. Bereits 1989 gründete sich das Philippine Center for Investigative Journalism (PCJI). Die Gründung war die Konsequenz daraus, dass philippinische Journalisten feststellten, dass viele Zeitungen keine Arbeitskraft und/ oder kein Geld dafür hatten Nachforschungen anzustellen.[31] Auch von Regierungsseite gibt es erste Versuche.  Fitzpatrick berichtet in seinem Artikel:

Stung by criticism from organizations like the International Federation of Journalists and Reporters Sans Frontières, the administration of President Gloria Macapagal Arroyo recently set up Task Force Newsmen, a special group under Interior Secretary Angelo Reyes, to look into the killings. [32]

Er merkt, aber auch kritisch an, dass das Problem weiterhin heruntergespielt wird. So behauptet Reyes, dass es gar kein Klima der Angst gebe und die getöteten Journalisten doch meistens in schändlichen Aktivitäten verwickelt waren. [33]

Die Lage in den Philippinen unterscheidet sich zuerst fundamental zu der in Indonesien. Dort ist Pressefreiheit nicht in der Verfassung verankert. So bleibt die Gefahr, dass die bestehenden liberalen Pressegesetze geändert werden und die Möglichkeiten der Journalisten wieder einschränken. In Indonesien gibt es eine lange Geschichte der Zensur, direkte wie indirekte, und erst mit den politischen Veränderungen in den 90ern entstand eine freie Presse. Des Weiteren existieren immer noch Gesetze, die leicht gegen Reporter eingesetzt werden können. Sie dürfen keine Staatsgeheimnisse streuen, den Präsidenten oder Vize-Präsidenten beleidigen oder einen Toten verspotten.[34] Doch mit Beginn der reformasi – Ära, wo der Staat keine Einschränkungen mehr vorgenommen hat, nahmen in Indonesien andere Probleme zu. Wie ihre Kollegen in den Philippinen müssen indonesische Journalisten mit Gewalt als Antwort auf Publiziertes rechnen. [35] Im „Press Reference Indonesia“ steht dazu:

Organizations such as the Alliance of Independent Journalists (AJI) reported almost an epidemic of violence and threats against publishers and journalists by mobs and thugs. The alliance questioned the resolve and the ability of the government to deal with it.[36]

Weiter werden ähnliche Umstände wie auf den Philippinen beschrieben. Die meiste Gewalt findet in den ländlichen Gegenden statt. Als Resultat sind die Journalisten wachsamer geworden und üben auch Selbstzensur.[37]

Wenn man sich diese Aufzählungen ansieht, kann man feststellen, dass in beiden Ländern Journalisten schwierige Lebensumstände haben können, obwohl die beiden Staaten von verschiedenen Presse-Hintergründen, die jedoch beide eine Geschichte der Zensur einschließt, kommen. Zu dem Hindernis Korruption kommt als auch eine ständige Gefahr, die der Beruf mit sich bringt und sicher einen großen Einfluss auf die Handlungsweisen der Journalisten hat.

Nachdem nun dieser politische und gesellschaftliche Kontexte betrachtet wurden, werde ich beleuchten wie die journalistische Praxis in den Medienlandschaften aussieht. Christopher Warren, der Präsident der International Federation of Journalists, stellte in seinem Hintergrundpapier zum „Media Development and Poverty Eradication World Press Freedom Day“ im Jahr 2006 folgende mir Romano übereinstimmende These auf:„the widespread practice of envelope journalism has been linked to low wages and substandard conditions for journalists.   Eliminating internal corruption requires decent pay and working standards for journalists.“[38] Ich werde den folgenden Fragen nachgehen: Wie werden Journalisten ausgebildet? Und welche Gehälter können sie dann erwarten?

1998 gab es in den Philippinen 156 Fernsehsender, 402 Radiosender, 25 national erscheinende Tageszeitungen und über 200 Wochenzeitungen beziehungsweise vierzehntägig erscheinende Zeitungen.[39] Welche Möglichkeiten gibt es also sich als Journalist ausbilden zu lassen? Im „Press References Indonesia“ werden verschiedene Wege beschrieben. In Manila gibt es seit 1980 das „Asian Institute of Journalism and Communication“ (AIJC), eine gemeinnützige Stiftung.  Das Institut vergibt zum einen Preise bietet aber auch Onlinekurse und Aufbaustudiengänge an. An der University of the Philippines in Quezon City können die Menschen Bachelor- und Master-Abschlüsse in Journalismus machen. Auch an der Universität in Laguna ist es möglich Journalismus zu studieren. Weiterbildungen für Journalisten bietet das Philippines Press Institute (PPI) an. Die gemeinnützige Organisation organisiert zum einen Kurse, wo philippinische Journalisten lernen ihre Rechte und Freiheiten zu schützen und außerdem sich journalistisch weiterzuentwickeln. Daneben bietet auch die PCJI Kurse an.[40]

In den Philippinen kann man dann genau das Phänomen, welches Warren beschreibt, beobachten. Fitzpatrick schreibt, dass in den ländlichen Zeitungen Journalisten meistens Stück für Stück pro Artikel bezahlt und für diese bekommen sie nur ein paar Dollar. So kommt es, dass sich Journalisten einen Nebenerwerb suchen, sie verkaufen zum Beispiel Werbung. Manchmal werden Journalisten aber auch gar nicht bezahlt und es wird erwartet, dass sie ihren Einfluss geltend machen um Geld zu erhalten. Fitzpatrick zitiert einen Journalisten, der sagt, dass das System nicht dazu aufruft etwas toleranter bei Korruption zu sein, sondern es zwingt einen daran teilzunehmen um zu überleben.[41]

In Indonesien gab es lange keine wirklichen Ausbildungsmöglichkeiten an den Universitäten. Wenn Journalismuskurse, als Teil anderer Studiengänge, angeboten wurden, waren diese  meisten auf Kommunikationstheorien ausgelegt und nicht auf das praktische und professionelle Schreiben. Anschließend haben eine Universitäten Kommunikation und Publizistik angeboten. Wichtiger als die Universitäten scheint in Indonesien aber die Ausbildung durch spezialisierte Institute, wie das Institute for Studies in the Institut Studi Arus Informasi (Free Flow of Information, ISAI),  zu sein. Auch der Indonesian Press Council, 1999 eingerichtet, und das the Dr. Soetomo Press Institute (LPDS) bieten Kurse an.  Internews unterstützt des Weiteren die Journalisten und bietet Weiterbildungen an.[42]

Und auch in Indonesien verdienen die Journalisten wenig. 1996 bekam ein Journalist durchschnittlich 60 Prozent vom Gehalt einer Sekretärin und war damit die zweitniedrigste bezahlte Berufsgruppe der Angestellten von 46 untersuchten Gruppen in Indonesien. Im gleichen Jahr konnten 26 Prozent der nationalen Printorganisationen ihren Angestellten nicht einmal den Mindestlohn bezahlen. Romano beschreibt außerdem, dass davon ausgegangen wird, dass die Annahme von Umschlägen in den 1990ern leicht abgenommen hat, da die Gehälter der Journalisten zunahmen. Somit werden die beiden Faktoren in einen kausalen Zusammenhang gesetzt. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass das Gehalt nur eine Wirkungskraft von vielen sei. Wie bereits beschrieben ist es nicht immer einfach Umschläge abzulehnen, da es die Vorstellung gibt, das Quellen dies übel nehmen. Außerdem ist es problematisch, wenn Journalisten, die Umschläge annehmen in der gleichen Organisation arbeiten, wie jene die das nicht tun.[43] Einen weiteren Grund nennt Coronel: „I think it is also the power of the press. The press is so powerful in influencing, say, voting behaviour, public behaviour or public opinion that in order to influence the public you have to influence the journalist and one way to do that is by paying that journalist off.“[44] Es ist also eher ein Gefüge aus Abhängigkeiten, das das System „envelope journalism“ unterstützt, als der bloße Grund der Existenzsicherung auf der Seite der Journalisten. Romano beschreibt dies als die Schwierigkeiten, die entstehen wenn moderne Technologien, Ideologien und Praktiken der Medien auf eine feudalistische politische Kultur treffen.[45]

Fazit

Unabhängig von den Gründen und auch unabhängig von der Motivation wirft „envelope journalism“ ein schlechtes Bild auf den Berufsstand Journalist. „Self-censorship of journalists, whether through fear, some misplaced sense of ethnic or religious solidarity or for hope of some gain discredits the media and corrupts our key role.“[46] In den Philippinen und Indonesien gibt es wie herausgestellt gleich mehrere Gründe zur Selbstzensur, zum einen die ständige Gefahr und zum anderen die Umschläge. Selbst wenn die Umschläge nur aus Gewohnheit überreicht werden und zur Beschleunigung eines Prozesses benutzt werden, ist es die Möglichkeit die Umschläge als Bestechung zu nutzen, die jede Form des „envelope journalism“ in Verruf bringen. Die Informalität des Prozesses erlaubt es nicht die Motivation des Gebers und des Nehmers zu durchschauen oder überhaupt zu erfahren, wer „envelope journalism“ in irgendeine Form praktiziert, somit ist jeder in Verdacht. Fitzpatrick zitiert Coronel in seinem Artikel mit den Worten: „There is a lot of corruption, so much so that the public suspects that when a journalist attacks someone, it is because he is being paid.“[47] In seinem Hintergrundpapier schreibt Warren ähnliches:

In many developing countries, so-called “envelope journalism” (accepting financial benefits for certain action or inaction), is the corruption which destroys the image of our profession, deepening cynicism about the media and making us part of the problem, not the solution.[48]

Deswegen versuchen in Indonesien Journalisten gemeinsam mit Anti-Korruptions-Aktivisten gegen „envelope journalism“ vorzugehen.[49] Die Journalisten haben erkannt, dass ihre Glaubhaftigkeit Schaden nehmen kann, wenn sie Geld von Entscheidungsträger annehmen. „What’s significant about the Indonesian campaign is that it involves anti-corruption bodies and was openly supported by the country’s vice president, Jusuf Kalla. This means that the dirty practice has been publicly acknowledged, a good first step in combating it.“[50], lobt Vitug. Auch Heru Hendratmoko, Vorsitzender der Alliance of Independent Journalists (AJI) warnt, dass wenn die Medien ihre Glaubwürdigkeit verliert, sie nicht die Möglichkeit hat, ihre Rolle als Säule der Demokratie wahrzunehmen.[51] Gerade der AJI setzt sich Indonesien sehr für dieses Ziel ein, nicht nur dem 1998 veröffentlichtem Kodex, der es untersagt jegliche Form von Sach- und Geldgeschenken, die indirekt oder direkt beeinflussen, anzunehmen, sondern auch mit Hilfe von Aufklärung und Workshops.[52] Aber auch in den Medien selbst beginnt ein Umdenken, so gibt es in Indonesien mehrere Zeitungen wie Kompas oder Tempo, die eine Anti-„envelope“-Politik praktizieren und diese auch kommunizieren, so ist es leichter für Journalisten Umschläge abzulehnen, wenn ihnen doch einer angeboten wird.[53] Warren lobt die indonesische Kampagne und fordert, die Annerkennung, dass man kein professioneller Journalist sein kann und gleichzeitig Bestechungsgelder akzeptiert. Außerdem sollten Journalisten genauso über Korruption in den Medien berichten, wie sie es bei anderen Institutionen tun.[54] Doch Journalisten und Zeitungen können den Kampf nicht alleine gewinnen. Vitug fordert: „We need to work with the public, civil society groups, and business associations. For those who’re hooked, is rehabilitation available through say, a Bribes Anonymous?“[55] Auch Romano kommt zu diesem Schluss. Es muss der generelle politische Willen vorhanden sein, in Politik und Wirtschaft mit Bestechung aufzuräumen. Dass das funktionieren kann, haben die Beispiele Hong Kong und Singapore gezeigt. Auch dort gab es „envelope journalism“, aber mit ansteigenden Löhnen für die Journalisten und Gesetzen und Regulationen gegen Korruption im Allgemeinen wurde die Praxis weitestgehend verbannt.[56]

Literaturangaben

Monographien

Romano, Angela. 2002. Politics and the press in Indonesia. Understanding an evoling political culture. London und New York: RoutledgeCurzon

Aufsätze und Artikel

Coronel, Sheila S. 1998. „Media ownership and control in the Philippines“. 1-8.

Lim, Merlyna. 2003. „From real to virtual (and back again) – Civil society, public sphere, and the Internet in Indonesia“, in: Ho, Kluver and Yang (Hg.). Asia.com Asia encounters the Internet. London und New York: RoutledgeCurzon, S. 113-128

Williams, Louise and Roland Rich (Hg.). 2000. Losing Control. Freedom of the Press in Asia. Canberra: Asia Pacific Press

Internetquellen

Fitzpatrick, Liam. 2005. „Write and Wrong“ Time, 14. März Online: http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,1037698,00.html Zugriff: 11.08.2007

International Journalists’ Network. 2006. „‘Envelope journalism’ eludes anticorruption efforts“ Online: http://www.ijnet.org/Director.aspx?P=Article&ID=305660 Zugriff: 11.08.2007

Press References Indonesia Online: http://www.pressreference.com/Gu-Ku/Indonesia.html Zugriff:11.08.2007

Press References Philippines Online: http://www.pressreference.com/No-Sa/Philippines.html Zugriff: 11.08.2007

Radio Australia. „Program 5: A Question of Influence“ Transcript online: http://www.radioaustralia.net.au/media/ontherecord/prog5.htm Zugriff: 11.08 2007

Vitug, Marites Danguilan. 2007. „The Philippines: Payoffs for Journalists – Let’s Publicly Acknowledge the Practice, and Work to Stop It“ Online: http://concernedjournalists.org/node/549 Zugriff: 11.08.2007

Warren, Christopher. 2006. „Background paper: Transparent, Accountable, Non-Corrupt Government and the Media“ Online: http://portal.unesco.org/ci/en/ev.phpURL_ID=22025&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html Zugriff: 11.08.2007


[1] Romano 2002, p. 150 und Radio Australia

 

[2] Vitug 2007

[3] Radio Australia,

[4] Romano 2002, p. 163

[5] Romano 2002, p. 163

[6] Im Folgenden beziehe ich mich auf die Erläuterungen aus: Romano 2002, pp. 152 – 154

[7] Romano 2002, p. 152

[8] Romano 2002, p. 153

[9] Romano 2002

[10] Romano 2002, p. 154

[11] Radio Australia

[12] Radio Australia

[13] International Journalists’ Network 2006

[14] International Journalists’ Network 2006

[15] Bei der Schilderung der Geschichte des „envelope journalism“ in Indonesien beziehe ich mich auf Romano

2002, pp. 151 – 152

[16] Romano 2002, p.150

[17] International Journalists’ Network 2006

[18] Vitug 2007

[19] Radio Australia

[20] Vitug 2007

[21] Vitug 2007

[22] Zitiert in Press Reference Philippines

[23] Press Refernce Philippines

[24] Radio Australia

[25] Fitzpatrick 2005

[26] Press Refernce Philippines

[27] Fitzpatrick 2005

[28] Fitzpatrick 2005

[29] Fitzpatrick 2005

[30] Fitzpatrick 2005

[31] Press Reference Philippines

[32] Fitzpatrick 2005

[33] Fitzpatrick 2005

[34] Press Reference Indonesia

[35] Press Reference Indonesia

[36] Press Reference Indonesia

[37] Press Reference Indonesia

[38] Warren 2006

[39] Coronel 1998, p.1

[40] Press Reference Philippines

[41] Fitzpatrick 2005

[42] Press Reference Indonesia

[43] Romano 2002, pp.155 – 156

[44] Radio Australia

[45] Romano 2002, p.156

[46] Warren 2006

[47] Fitzpatrick 2005

[48] Warren 2006

[49] International Journalists’ Network 2006

[50] Vitug 2007

[51] International Journalists’ Network

[52] Romano 2002, p.161

[53] Romano 2002, pp. 156-157

[54] Warren 2006

[55] Vitug 2007

[56] Romano 2002, p.163

Ein Kommentar zu “„envelope journalism“ – Nebeneinanderstellung der Praxen in Indonesien und den Philippinen

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