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SoSe2010 „Geschichte der Strafe in Afrika: 2005 brachte Caroline Elkins ihre Doktorarbeit heraus mit dem programmatischen Titel „Imperial Reckoning – The Untold Story of Britain’s Gulag in Kenya“. Dieser Gulag-Vergleich brachte natürlich eine ganze Reihe von Diskussionen mit sich. Wir betrachteten anlässlich des Themas unseres Seminars das Kapitel zum Leben in den Lagern.

Caroline Elkins ist Dozentin für Geschichte an der Harvard Universität. Sie beschäftigt sich mit aktuellen Situationen in Afrika, Menschenrechten in Afrika, Protest in Ost-Afrika und britischer, kolonialer Gewalt im 20. Jahrhundert. Letzteres steht auch im Mittelpunkt ihrer 2005 erschienenen Studie „Imperial Reckoning. The Untold Story of Britain’s Gulag in Kenya“. In dem Buch zeigt Elkins anhand von Archiv-Recherchen und vor allem durch mehrere Hundert Interviews das Niederschlagen des Mau Mau Aufstandes in Kenia durch die Briten. Dabei vergleicht sie die Gefangenenlager mit sowjetischen Gulags. Hier betrachte ich Kapitel 6 „The World Behind The Wire“, welches sich mit dem Leben im Lager auseinandersetzt, sowie Einleitung und “Note on Methods“.

Dieser Quelle steht der 2006 im The Independent „Home Truth about Famine, War and Genocide“ erschienene Kommentar von Niall Ferguson gegenüber. Ferguson ist ebenfalls Historiker an der Harvard Universität und arbeitet zu Imperialismus sowie Finanz- und Wirtschaftsgeschichte. In seinem Artikel argumentiert Ferguson entgegen Elkins, dass die Unterdrückung der Mau Mau nicht mit den sowjetischen Methoden und Ausmaßen vergleichbar wäre.

Elkins möchte in ihrem Buch die Verbrechen aufklären, die die Briten bei der Niederschlagung des Mau Mau Aufstandes begangen haben. Sie argumentiert unter anderem, dass die Zahl der Toten bei weitem höher liegt als bisher angenommen und dass das britische Kolonialreich bewusst versucht hat Informationen zu verbergen. In dem Kapitel „The World Behind The Wire“ zeichnet sie anhand von Interviews ein grausames Bild des Lebens in den Gefangenenlagern während des Aufstandes. Sie beschreibt die Einteilung der Gefangenen in verschiedene Gruppe („grey“ und „black“). Das Kapitel befasst sich mit der alltäglichen Gewalt, die sich gegen die Gefangenen richtete, den schwierigen Lebensumständen wie Nahrungsknappheit und Hitze, sowie mit der zu verrichtenden Zwangsarbeit. Außerdem untersucht sie das Verhältnis der Gefangenen zu den Wärtern, der Thematik Christentum und Missionare in den Lagern und verschiedenen Kommunikationsformen der Mau Mau Anhängern.

Ferguson argumentiert in seinem Artikel, dass das Niederschlagen des Mau Mau Aufstandes und die damit verbundenen Gefangenenlager keineswegs mit sowjetischen Methoden verglichen werden könnten, da es sich hierbei um eine Ausnahme und kein System handelt. Dies versucht er auch an den Gesamtopferzahlen zu zeigen.

Fergusons Text ist ein Zeitungsartikel, aus einer nicht wissenschaftlichen Zeitung und ist somit anders zu lesen als eine wissenschaftliche Quelle. Der Artikel ist höchst polemisch geschrieben, was wahrscheinlich darauf zurück zu führen ist, dass es sich um eine Replik auf eine Kritik an seiner Arbeit handelt. Dies rechtfertigt aber meines Erachtens nicht seinen sarkastischen Umgang mit der Thematik. Fergusons Aussagen, wie sie auch im Artikel zu finden sind, sind darüber hinaus oft debattiert. So wird ihm vorgeworfen Lobreden auf den britischen Imperialismus zu verfassen. Er selbst liefert sich eine Vielzahl von öffentlichen Streitgesprächen im Internet.

Aber auch Elkins Werk ist nicht nur unkritisch betrachtet worden. So warf ihr zum einen Ferguson vor, dass das Werk sensationsheischend wäre. Aber auch darüber hinaus gab es Kritik. So wurden ihre Zahlen in Frage gestellt und vor allem deren Berechnungsweise. Außerdem wurde ihre Methodik angegriffen, sie verwende nur einen Bruchteil der Interviews, die sie geführt hat und von diesen Interviews berichten scheinbar auch nur ein Teil über Gewalterfahrungen. Diese stellt Elkins aber in den Mittelpunkt.

Doch trotz dieser Kritik bringt Elkins eine wichtige Sichtweise britischer Kolonialzeit in den Fokus und zeigt detailliert die Umstände in den Lagern auf.

Literatur

Elkins, Caroline. 2005.  Imperial Reckoning. The Untold Story of Britain‘s Gulag in Kenya. Henry Holt and Cie: New York, 154-191, 371-375.

Ferguson, Niall. 2006. „Home Truth about Famine, War and Genocide“. The Independent, 14.06.2006.

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Ein Kommentar zu “Strafen im Ausnahmezustand: vom kolonialen Gefängnis zum Lager

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