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SoSe2010 „Geschichte der Strafe in Afrika“: Am 25. April schrieb ich hier über die Frage, ob Foucaults Thesen aus „Überwachen und Strafen“ auch in Afrika anwendbar sind. In dem Beitrag habe ich zwei Texte zusammengefasst, darunter einen Ausschnitt aus Nelson Mandelas Biografie. Hier möchte ich unsere Diskussionen aus dem Kurs am Montag zu dem Text konkret und auch allgemein zusammenfassen.

Zu erst stellten wir uns die Frage, warum das Gefängnis (Robben Island) auf einer Insel gelegen ist. Dabei ging es nicht um historische Entwicklungen, sondern draum, sich klar zu machen, was die strategischen Vorteile sind. Ein Gefängnis auf einer Insel vereinfacht natürlich die Kontrolle der Gefangenen, durch den klar abgetrennten Raum ist es leichter zu kontrollieren, was „raus“ und was „rein“ geht. Die Lage macht es gerade bei politischen Gefangenen auch einfacher, sie von ihrer Basis zu trennen. Das Ziel? Die Gefangegen geraten in Vergessenheit. In einem Gefängnis auf de Land würden sich davor vielleicht Anhänger versammeln und demonstrieren, aber wie sollte das bei einer Insel gehen, vor allem wenn sie in relativ stürmigen Wasser liegt? Auch sind Besuche viel schwerer zu organisieren, da die Entfernung noch komplizierter zurückzulegen ist. Mandela beschreibt in seinem Buch auch, dass den Angehörigen oft so kurzfristig Termine zugeteilt wurden, dass sie sie gar nicht wahrnehmen konnten. Dieser Effekt tritt natürlich immer ein, wenn das Gefängnis weit entfernt von der Heimat der Gefangenen ist. Bei einem Gefängnis auf einer Insel ist es aber mehr als wahrscheinlich, dass keine Angehörigen in der direkten Nachbarschaft wohnen – Egal aus welcher Region des Landes die Häftlinge kommen.

Dann haben wir darüber diskutiert, wie man Nelson Mandelas Biografie als Quelle betrachten kann und soll. Gerade dieser Aspekt ist meinem letzten Beitrag unerwähnt geblieben und gehört hier nachgeholt. Eine Biografie ist natürlich keine wissenschaftliche Arbeit und muss darum unter anderen Aspekten als solche betrachtet werden. Hier stellt sich noch mehr die Frage: Was ist die Agenda hinter dem Schreiben? (Wobei ich finde, dass diese Frage auch bei wissenschaftlichen Arbeiten gestellt werden sollte, umso mehr umso objektiver sie tun.) Nelson Mandela veröffentlichte seine Biografie kurz vor der Wahl, in der er dann Präsident Südafrikas wurde. Natürlich wollte er sich da auch als passender Kandidat für dieses Amt präsentieren. So zeigt er, der so lange im Gefängnis saß, dass er trotz seiner langen Abwesenheit vom „echten“ Freiheitskampf gegen die Apartheit, ebenfalls politisch aktiv war. In Mandelas Erzählung wird Robben Island quasi zum Dreh-und-Angel-Punkt politischem Engagements und Mandela der Anführer der anderen Freiheitskämpfer und Unterstützer der Unterdrückten. All das sollte also im Hinterkopf präsent sein, wenn man den Text analysiert.

Trotzdem verrät er uns einiges über die Strukturen des Gefängnisses und die Tagesabläufe der Insassen. Über die Frage ob es ein Panoptikum ist, oder panoptische Züge hat, haben wir dann den Rest der Stunde diskutiert. Wir haben eine Pros und einige Kontras gefunden, letztenendes entschieden haben wir uns nicht.

Eine letzte Anmerkung: Südafrika zur Zeit von Nelson Mandelas Erlebnissen war natürlich keine Kolonie im klassischen Verständnis, und somit Robben Island auch kein koloniales Gefängnis in dem Sinne. Trotzdem lassen sich Diskussionen über das koloniale Gefängnis sicher auch aufgrund struktureller Ähnlichkeiten in Bezug setzen (wie in meinem letzten Beitrag geschehen), man muss aber natürlich darauf hinweisen.

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4 Kommentare zu “Nachtrag: Foucault in Afrika

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